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Geschrieben und veröffentlicht Eduard Warda, mit freundlicher Genehmigung des Göttinger Tageblatts vom 22.06.2017

Vor dem Seitenportal haben sich 45 Läufer des Messtechnik-Unternehmens Mahr zum Foto aufgestellt. „Nicht weglaufen“, sagt Fotograf Gerd Bode – eigentlich eine drollige Bemerkung. „Wir machen beim Firmencup auch ein wenig Teambuilding“, berichtet Bode, „es treffen sich Leute, die sich sonst nicht sehen“. Das Motto: „Ma(h)rathon – ein Team, ein Ziel“. Der GT-Firmencup boomt: „Er drückt das Wir-Gefühl aus“, sagt Mitorganisator Rolf Geese von der LG Göttingen. Die 1660 Plätze sind schon lange ausgebucht. Um 18.20 Uhr geht an den Nachmelde-Zelten an der Johanniskirche auch über die Zehn-Kilometer-Distanz schon längst nichts mehr: 53 Nachmeldungen wurden verzeichnet, 17 Läufer stehen auf der Warteliste. Über die fünf Kilometer sind noch 15 Plätze frei. Noch...

Weitaus dichteres Gedränge herrscht auf dem Marktplatz – die Eis-Esser vor dem Colosseum müssen sich vorkommen wie bei einer Sitzblockade: Rot-weißes Flatterband schützt sie davor, in der schiebenden Masse unterzugehen. 27 Grad im Schatten, die Hitze steht. Allgegenwärtig: Slogans. „Dekra, mit Sicherheit ans Ziel“, steht auf dem wassergetränkten Trikot, das dem Hund umgelegt wird. Um 18.30 Uhr steht der erste Startschuss bevor, jener zum Youngsterlauf der Kinder. Von Andreas Lindemeier, der zusammen mit Frank Neumann moderiert, kommen mahnende Worte: „600 Meter, das ist einmal um den Sportplatz und dazu noch eine halbe Runde!“ Es knallt, und kurze Zeit später klicken die Fotoapparate: Kinder ziehen sich gegenseitig ins Ziel oder haben, wie Tabea, eher Augen für die Zuschauer: „Da geht‘s lang“, sagt Lindemeier und zeigt aufs Ziel. Und Tabea gibt Gas...

„Bremen ist geil, Hamburg nicht“, steht auf dem Trikot des ehemaligen Teammanagers des SC Hainberg und früheren Fußballers Bruno Kassenbrock. Er hat seine gut zweieinhalbjährige Tochter Sarah begleitet und schwitzt jetzt aus allen Poren. „Wir haben uns kleine Ziele gesetzt und diese übertroffen“, sagt er. Zu diesem Zeitpunkt ist der Schnupperlauf mit den Teilnehmern des Schul-Cups bereits in vollem Gang. Ein Arzt eilt im Zielbereich einem gestürzten Schüler zu Hilfe, offenbar sind eine Platz- und eine Schnittwunde zu beklagen – glücklicherweise ein Einzelfall. Eher macht die Hitze zu schaffen. „Es war richtig heftig“, sagt Achim Keding, Lehrer der 6b des Hainberg-Gymnasiums, einer Unesco-Projektklasse. Keding war eine Zeit lang in Kenia – da sei es nicht wärmer! Und dann teilt er noch das Los der meisten Lehrer: „Fast alle meiner Schüler sind vor mir ins Ziel gekommen.“ Vielleicht sei die Strecke zu kurz gewesen, womöglich sei er übertrainiert, sagt er augenzwinkernd.

Auch die Teilnehmer am GT-Firmencup über fünf Kilometer berichten von „drückender Hitze“, so wie der ehemalige 05-Trainer Martin Wagenknecht, der für die Polizeidirektion Göttingen gelaufen ist. „Ich habe noch nie so viele aussteigen sehen.“ Axel Rümenap von der Sparkasse Göttingen hat es als „hammerheiß“ empfunden und lobt die Zuschauer. Die hätten Wasser gereicht, das im Nacken eine Wohltat gewesen sei. Immerhin weht im Ziel-Auslauf am Kornmarkt ein kühles Lüftchen. Die LGG schätzt, dass mehr als 4500 Läufer einen neuen Teilnehmerrekord aufgestellt haben. „Mehr kriegen wir nicht unter, dann wären Unfälle programmiert“, sagt Geese. Wegen Bauarbeiten sei es gut möglich, dass 2018 wieder auf dem Theaterplatz gestartet wird. Der Nachteil: die bis zu fünfprozentige Steigung. „Da sind uns im letzten Jahr genug zusammengeklappt“, sagt LGG-Pressewart Gerd Brunken.

Der Johanniskirchhof hat sich unterdessen geleert. Eine Teilnehmerin des GT-Firmencups geht nach Hause. Auf ihrem T-Shirt ist über dem Unternehmens-Slogan „Wallstein läuft“ ein Zitat des Dichters Rainer Malkowski zu lesen: „Ab und zu ist eine Verrücktheit vernünftig.“ Na dann bis 2018!